Facebook unverzichtbar? Von wegen!

Optisch immer noch Maß­stab. Ello ist tat­säch­lich eine Com­mu­ni­ty von Künst­lern für Künst­ler.

Ist es nicht etwas ver­wun­der­lich, dass gera­de in die­sen Tagen, in denen vor allem Face­book ver­dien­ter­ma­ßen auf die Jacke kriegt, in den Main­stream-Medi­en so wenig von den real exis­tie­ren­den freund­li­chen Alter­na­ti­ven zu den gro­ßen Daten­kra­ken die Rede ist?

Statt­des­sen erge­hen sich die mehr oder weni­ger kun­di­gen »Exper­ten« dar­in, zum Bei­spiel zu eru­ie­ren, was an Face­book trotz des inzwi­schen unbe­streit­ba­ren, völ­lig inakt­zep­ta­blen Nutzermiss­brauchs doch noch ein klit­ze­klei­nes biss­chen toll sein könn­te. Oder sie behaup­ten gleich ganz, dass es »de fac­to« kei­ne Alter­na­ti­ven zu Zucker­bergs Leim­ru­te gebe. Eine auch unter Face­book-Opfern weit­ver­brei­te­te Ansicht. Das ist in etwa so, als wenn Käl­ber ihren Schlach­ter loben wür­den.

Eben­falls eine gute Alter­na­ti­ve: GNUS­o­cial.

Tat­säch­lich hat man eine Wahl. Da wären Friendica1)Friendica-Zugang via libranet.de , Diaspora2)Diaspora-Zugang via joindiaspora.com , GNUSocial3)GNUSocial-Zugang auf gnusocial.de und Ello4)Ello-Zugang via ello.co , um nur mal vier mög­li­che Alter­na­ti­ven zu Face­book zu nen­nen. Und zum Bei­spiel Mastodon5)Mastodon-Zugang via mastodon.social , wenn man sich von Twit­ter ver­ab­schie­den möch­te, ohne auf Micro­blog­ging ver­zich­ten zu müs­sen.

Und zum Chat­ten bie­tet sich Jab­ber6)Jab­ber-Zugang via wiuwiu.de an, das sogar mit vie­len ande­ren Mes­sen­gern kom­pa­ti­bel ist, da es eben­falls auf XMPP basiert. Ich benut­ze einen kos­ten­lo­sen Zugang via Wiuwiu. Bei die­sem Anbie­ter ist sogar ein Cloud­spei­cher von 1 GB inklu­si­ve. Sehr groß­zü­gig! 7)Gene­rall las­sen sich die­se genann­ten Diens­te ent­we­der wie gehabt im Brow­ser nut­zen oder auch mit einem Cli­ent unter Win­dows, Linux, Android, iOS, macOS. Oft gibt es auch noch wei­te­re Zugän­ge als die hier bei­spiel­haft auf­ge­führ­ten. 8)Und wer par­tout nicht auf Face­book oder Twit­ter ver­zich­ten kann/will, fin­det Apps, mit denen sich die Diens­te ver­knüp­fen las­sen. Die Sinn­fra­ge muss indes jeder für sich beant­wor­ten.

Macht Twit­ter Kon­kur­renz- durch­aus erfolg­reich: Mastodon.

Und wenn man mal aktu­el­le­re wohl­wol­len­de Arti­kel fin­det, fehlt natür­lich nie der Hin­weis, dass die nicht-kom­mer­zi­el­len Alter­na­ti­ven eben letzt­lich kei­ne sind, weil zu wenig Leu­te zu den mög­li­chen Alter­na­ti­ven wech­seln.

Was stimmt. Lei­der. Aber das bedeu­tet ja eben auch, dass die Nut­zer es in der Hand hät­ten, das zu ändern. Da beißt sich die sprich­wört­li­che Kat­ze in den Schwanz.

Es ist eigent­lich ganz ein­fach: Wenn wir das Mons­ter Face­book ster­ben sehen wol­len, müs­sen wir auf­hö­ren, es zu füt­tern.

Die Frei­heit, sich gegen Unfrei­heit zu ent­schei­den, macht aber anschei­nend vie­len Angst. Nur geschätzt 2 Pro­zent der Face­book-Miss­brauchs­op­fer haben kon­se­quent ihren Account gelöscht. Ein wei­te­rer über­schau­ba­rer Teil gibt an, sei­ne Prä­senz in dem Daten­puff redu­ziert zu haben.

Und der gro­ße Rest? Tja …

Auf­ge­räum­tes Backend bei Frien­di­ca.

Dabei gibt es stei­le Lern­kur­ven für ehe­ma­li­ge Face­book-Opfer weder bei Frien­di­ca noch bei Dia­spo­ra. Da fin­det sich jeder sofort zurecht, weil alles eigent­lich ist wie immer. Auch bei der Twit­ter-Alter­na­ti­ve Mastodon sieht alles aus wie gehabt. Ello funk­tio­niert etwas anders, ist aber nach einer kur­zen Ein­ge­wöh­nung auch leicht zu bedie­nen.

Ich höre schon die ers­ten sagen: Aber da läuft ja gar nicht so viel… Stimmt. Und das ist auch gut so. Viel­leicht soll­ten wir alle mit­ein­an­der mal dar­über nach­den­ken, ob wir wirk­lich wei­ter­hin in pseu­do-rele­van­tem Scheiß in der Time­li­ne und den gan­zen Grup­pen ersäuft wer­den wol­len. Oder ob wir nicht viel mehr wie­der lang­sa­mer und geziel­ter kon­su­mie­ren soll­ten. Genau, klingt nach Regeln für bekömm­li­ches Essen. Und es geht auch im Grun­de um das­sel­be: Weni­ger ist mehr.

Macht eben­falls, was es soll – Dia­spo­ra.

Gera­de um Ello ist es nach einem anfäng­li­chen Hype sehr ruhig gewor­den. Scha­de eigent­lich, denn die schi­cke wer­be­freie Com­mu­ni­ty mit einem hohen Anteil an Krea­ti­ven hat­te das Zeug, ganz groß zu wer­den. Ich den­ke, den Nut­zern bis heu­te kei­ne Funk­ti­on für PM/Chat/Messenger anzu­bie­ten, ist ein schwe­rer Feh­ler. So war Ello immer irgend­wie unvoll­stän­dig. Obwohl es auch so immer noch eine Men­ge zu bie­ten hat- vor allem hoch­klas­si­ge Inhal­te.

Mir gefällt der­zeit Frien­di­ca etwas bes­ser als Dia­spo­ra. Das hat über­wie­gend opti­sche Grün­de. Ist aber natür­lich Geschmacks­sa­che. Aller­dings ist die Fea­ture­lis­te von Frien­di­ca schon recht beein­dru­ckend. Wirkt ins­ge­samt etwas run­der, rei­fer, fin­de ich.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Test immer. Man kann ja auch eine Wei­le mehr­glei­sig fah­ren und sich dann ent­schei­den – oder wei­ter bei­des benut­zen.

Fra­gen, Kri­tik, Anre­gun­gen?

Nur zu. Ent­we­der hier im Blog oder bei Frien­di­ca oder – dafür braucht es einen Cli­ent oder ande­ren Zugang – im Chat bei Jab­ber: mvg ( at ) wiuwiu.de.

Update 15.9.2018:

Inzwi­schen gibt es eine wei­te­re mög­li­che Alter­na­ti­ve, an der gera­de kräf­tig gebas­telt wird: Open­Book. Ich unter­stüt­ze das Pro­jekt. Nicht nur ver­bal. Ich hof­fe, wir sehen uns dort. Bald.

Lea­ve Face­book. Quit Insta­gram. Drop Whats­app. Now.

Anmerkungen

1. Friendica-Zugang via libranet.de
2. Diaspora-Zugang via joindiaspora.com
3. GNUSocial-Zugang auf gnusocial.de
4. Ello-Zugang via ello.co
5. Mastodon-Zugang via mastodon.social
6. Jab­ber-Zugang via wiuwiu.de
7. Gene­rall las­sen sich die­se genann­ten Diens­te ent­we­der wie gehabt im Brow­ser nut­zen oder auch mit einem Cli­ent unter Win­dows, Linux, Android, iOS, macOS. Oft gibt es auch noch wei­te­re Zugän­ge als die hier bei­spiel­haft auf­ge­führ­ten.
8. Und wer par­tout nicht auf Face­book oder Twit­ter ver­zich­ten kann/will, fin­det Apps, mit denen sich die Diens­te ver­knüp­fen las­sen. Die Sinn­fra­ge muss indes jeder für sich beant­wor­ten.

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